Endlich kommen wir nach Jordanien. Jetzt bin ich (Luise) schon ueber 6 Monate hier und fuehl mich beinahe wie zu Hause, alles scheint "normal" und den Alltagstrott gibt es auch hier.
Aber ich erinner mich, dass es mir am Anfang etwas anders ging. Fasziniert war ich von den Rufen des Muezzin, die in mir orientalische Urlaubsgefuehle geweckt haben, von den Minibussen, in die man unkompliziert ueberall ein- und aussteigen kann wo man will, und von dem Wuestenfeeling, was die Jordanier im Fruehling "gruen" genannt haben, weil hier und da ein kleines Bueschlein zu sehen war. Zu meiner Fasziniertheit hat sich aber auch gleichzeitig immer ein Unwohlsein dazu gesellt wenn ich durch die fremden Strassen gelaufen bin, in denen ich als Fremde auch jetzt noch auffalle. Oder wenn ich den Bus zum Anhalten bringen will, wo man doch als Frau nicht so laut sein soll- ah, man klopft mit einer Muenze an die Scheibe…, naja, ich bleib lieber sitzen und warte bis jemand anderes aussteigt und lauf dann halt zurueck…
Und was mir auch aufgefallen ist, war die Gastfreundschaft. Selbst ohne Arabisch bin ich nie verloren gegangen im grossen Amman, immer war jemand da der meine Unsicherheit erkannt und micht dort hingebracht hat, wo ich hin wollte. (Auch jetzt empfange ich noch "LiebesSMS" von Maedchen, die ich das letzte mal vor 5 Monaten gesehen habe. "When I see my friends, I remember the moon, but when I see the moon, I remember your face. I love you and you love me.")
Und mittlerweile hab ich mich hier schon eingelebt, der Muezzin stoert mich beim Fernseh schauen und das tolle Wuestenfeeling ist nicht mehr so faszinierend. Wo sind die Seen, Waelder und Wiesen? Das Unwohlsein ist fort, in den Strassen fuehl ich mich zu Hause und den Bus bekomm ich immer irgendwie zum Anhalten.
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